70 Jahre Ökumenische Ausbildung beim Weltkirchenrat

GMÖ-Pfarrerin Ursula Thomé berichtet von einem Wiedersehen in Genf

Vom 30.9. -2.10.2016 feierte das Ökumenische Institut des Ökumenischen Rates der Kirchen in Bossey bei Genf seinen 70. Geburtstag. Eingeladen waren ehemalige Bossey-Studierende und Lehrende, Bossey-Freunde, Mitarbeitende des ÖRK und interessierte Öffentlichkeit. „Die Bossey-Erfahrung hat mein Leben verändert.“ So beschreiben viele Studierende der vergangenen Jahre ihre Erfahrung des interkulturellen, ökumenischen Lernens. So hat es auch Pfarrerin Ursula Thomé erlebt, als sie an der Graduate School 1984/85 – also vor 32 Jahren – studiert hat. Sie hat als Ehemalige jetzt an der 70. Jahr Feier teilgenommen. Gemeinsam mit 60 Studierenden aus aller Welt und vielen christlichen Kirchen und Konfessionen zusammen zu leben, zu beten, Gottesdienste zu feiern, zu studieren und den Alltag zu teilen – das war eine lebensverändernde Erfahrung. Eine schöne und auch manchmal verstörende Erfahrung, sich selbst als Teil in der Vielfalt der Kirchen und Kulturen zu verstehen und den eigenen Blickwinkel auf die Welt zu verändern. Und dies nicht nur in Büchern zu studieren, sondern in ganz praktischen Lebenserfahrungen. Die Kapelle war der Lern-Ort, der alle herausgefordert hat. Damals ohne Computer, ohne Laptop, ohne Handy oder Smartphone war das Leben im „ökumenischen Laboratorium Bossey“ mit nur wenig Kontakten nach Hause verbunden. Für die Teilnehmenden aus dem Pacific oder dem südlichen Afrika war dies eine Zeit voller Heimweh.

Ursula Thomé, Dir. Ioan Sauca, Ana Villanueva (Ehemalige 1984/85)
Ursula Thomé, Dir. Ioan Sauca, Ana Villanueva (Ehemalige 1984/85)

Heute hat sich viel verändert – technisch, aber auch die Welt hat sich verändert durch die wachsende Globalisierung und ihre Auswirkungen auf die Menschen weltweit. Auch das Institut hat sich in 70 Jahren sehr verändert. Heute sind es 35 Studierende aus 30 Ländern und verschiedenen Konfessionen. Die größte Gruppe sind die asiatischen Teilnehmenden aus verschiedensten Kontexten. Viele kommen aus Kirchen, die in Minderheitensituationen und multireligiösen Gesellschaften leben. Es gibt Teilnehmende aus Orthodoxen Kirchen, vor allem aus Osteuropa,  mehrere Studierende aus Afrika, USA , eine Studierende aus Kuba und ein Studierender aus Westeuropa – ein Mitglied der Brüdergemeinde aus den Niederlanden. Leider gibt es keine deutschen Teilnehmenden. Die Studierenden bilden in ihrer Zusammensetzung das weltweite Christentum ab – die wachsenden Kirchen im globalen Süden und die kleiner werdenden Kirchen im Norden.


Auch die Themen haben sich verändert: Heute  ist die Herausforderung des interreligiösen Dialogs ein zentrales Thema.  Dialog ist ein Beitrag zur Friedensbildung und Friedensarbeit. In Bossey gibt es auch einen interreligiösen Kurs, an dem Juden, Muslime und Christen teilnehmen.


Im  Verlauf des Programms zum 70. Geburtstag des Institutes hat der große Imam Prof. Dr. Ahmed al-Tayyeb der al-Azhar al-Sharif Universität in Kairo einen Vortrag gehalten. Das Thema war „Die Verantwortung der religiösen Führungspersönlichkeiten für das Erreichen des Weltfriedens“.  Der Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit ist eine gemeinsame Aufgabe der Religionen.


Zum Abschluss wurde ein ökumenischer Gottesdienst mit einer Vielfalt von Klängen und Sprachen  gefeiert, der im Schweizer Radio übertragen wurde.


 


Weitere Informationen zum Programm und Informationen zum Studium in Bossey finden Sie Hier:


http://www.oikoumene.org/de/press-centre/news/fellowship-in-focus-as-ecumenical-institute-in-bossey-marks-70-years


http://institute.oikoumene.org/en/news/70-years-of-ecumenical-formation-at-the-ecumenical-institute-bossey (in englischer Sprache)


www.oikoumene.org

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